DER SITZ

Über fünfzig Jahre lang befanden sich die heutigen Sammlungen der Teschener Bücherei im Sitz des Museums, im ehemaligen Larisch-Palast (siehe: Bevor die Teschener Bücherei entstand). In der zweiten Hälfte der 80er Jahre mußten die Sammlungen wegen Renovierungsarbeiten an einen anderen Ort übertragen werden. Sie wurden in einigen Notunterkünften untergebracht, die meistens für die Aufbewahrung historischer Büchersammlungen ganz ungeeigne waren (siehe: Programm zum Schutz und zur Konservierung der Sammlungen), geschweige dann die Zugänglichmachung. Diese Umstände zwangen die städtischen Behörden von Teschen bereits im Jahre 1993 zur Abtretung des alten Gebäudes der ehemaligen Münze der Teschener Piaster an die Bücherei.
          Wie aus den mittelalterlichen Kellern ersichtlich, die sich auf die Reste der alten Stadtmauern stützen, stammt das Gebäude wahrscheinlich aus dem 14. Jh. und gehörte zur ursprünglichen Bausubstanz der Stadt. Bis zur Mitte des 17. Jhs. befand sich dort die Münze der Herzöge von Teschen, dann übernahmen die Jesuiten das Haus. Im Jahre 1719 wurde es von einem der folgenden Besitzer, Georg Freiherrn Bludowski von Nieder-Bludowitz, vollständig umgebaut. Aus dieser Zeit stammt die an der Faç ade der Münze erhaltene bronzene Tafel mit dem Datum und Wappen der Familien Bludowski und Colonna. Die ganze durch den frühen Klassizismus inspirierte Faç ade wurde 1902 ausgeführt.
          Die Münze benötigt leider eine vollständige Sanierung, einen Umbau und Anpassung an die Erfordernisse der Bücherei. Es ist ein sehr kompliziertes und kostspieliges Unternehmen, das aber der Bücherei einen ihrem Rang entsprechenden und modernen Sitz geben wird, wo sowohl klimatisierte, geräumige und entsprechend geschützte Speicher als auch alle nötigen Bibliotheksarbeitssräume untergebracht werden können. Den Lesern werden ein moderner Lesesaal, Ausstellungsräume und ein Büchermuseum zur Verfügung stehen, wo die Sammlung Leopold J. Scherschniks ausgestellt werden wird. Außerdem wird es einen großen Konferenzsaal und ein Café im neuen Sitz geben.
          Der neue Sitz soll die Bücherei in ein lebendiges kulturelles und wissenschaftliches Zentrum umwandeln, das für Zusammenarbeit mit dem In- und Ausland auf diesem Gebiet offen ist und das intelektuelle Leben der Region um sich versammelt. Hier wird man nicht nur das traditionelle Bibliotheksangebot in Anspruch nehmen (siehe: Bearbeitung der Bestände) und Zentrum für Heimatkunde), sondern auch vielseitige Möglichkeiten, eigene kulturelle oder wissenschaftliche Initiativen zu verwirklichen. Diesen Tätigkeiten wird die Innenausstattung der Bücherei angepaßt werden, die eine Verbindung alter Baustile mit neuen Raum- und Funktionslösungen ist. Wichtig ist auch die Lage im natürlichen Zentrum der Stadt, d. h. in der Nähe des Mickiewicz-Theaters, der städtischen Bibliothek und des Schloßberges mit der romanischen Rundkirche, dem gotischen Turm und dem klassizistischen Palast, das in Hinkunft der Sitz des Staatsarchivs werden soll.
          Die Sanierungsarbeiten in der alten Münze dauerten von 1994 bis 1999. Während dieser Zeit wurde an das denkmalgeschützte Gebäude ein neuer, geräumiger Flügel angebaut. Im Jahre 1999 wurde unter anderem dank der Unterstützung der Stiftung für Polnisch-Deutsche Zusammenarbeit, der Stiftung für Polnische Wissenschaft und des Hauptdenkmalpflegers die Sanierung des denkmalgeschützten Teiles abgeschlossen. Es wurde auch der neue Teil fertiggestellt, wobei alle darin befindlichen Verkehrswege und technische Anlagen (u. a. die Heizung) fertiggestellt wurden. All das erlaubte, den restaurierten und den Bibliothekszwecken angepaßten Gebäudeteil formell zu eröffnen und die meisten Bestände der Bibliothek dorthin noch im Jahre 1999 zu übertragen. Ca. 20% sind noch in einem der provisorischen Räume geblieben, wo auch die Verwaltung der Bibliothek und die Restaurierungswerkstätten untergebracht sind. Am Anfang des Jahres 2000 wurde im neuen Bau der Allgemeine Lesesaal und der Lesesaal für Sonderbestände eröffnet. Bis Ende 1999 hat die Investition 5 820 684 Zloty gekostet. Heuer bestimmten die städtischen Behörden 2 900 000 z³ für die Fortsetzung der Arbeiten. Diese Gelder erlauben, im neuen Bau alle Endarbeiten durchzuführen und ihn nach der Ausrüstung (mit Klimaanlage, Löschgeräten, Feuer/ und Einbruchalarmanlagen, Komputern, Telephonleitungen) mit dem 1999 eröffneten alten Teil zu integrieren sowie den anliegenden Grund zu gestalten (Wege, Hof, u.s.w.). Die Ausrüstung und die Aufnahme der Arbeit im neuen Teil ist für das Jahr 2001 geplant.