BESTÄNDE DER TESCHENER BIBLIOTHEK - Die Büchersammlung der Polnischen Gesellschaft zur Völkerkunde

          Eng verbunden mit der Geschichte der Teschener Kultur ist die nächste Büchersammlung der Bibliothek und zwar die Bibliothek der Polnischen Gesellschaft zur Völkerkunde (PGzV), einer Organisation die ihre Aufgaben mit dem wissenschaftlichen Eifer betreibt. Sie wurde auf Anregung des Priesters Józef Londzin (1862-1929) im Jahre 1901 in Teschen ins Leben gerufen. Über einige Jahrzehnte ihres Bestehens sammelte die Gesellschaft allerlei Denkmäler der Geisteskultur und materiellen Kultur von Schlesien, die später als Untersuchungsmaterialien zur Geschichte der Region dienten. Dank der bibliophilen Leidenschaft des Priesters Józef Lodzin nahmen Bücher einen besonderen Platz unter den Sammlungen ein. Bis 1930 sammelte man ca. 1 000 Bücher (vorwiegend alte Drucke) ein. Da die meisten von ihnen in Schlesien entweder herausgegeben oder gelesen wurden (u.a. die Drucke aus Brieg und die von Geschlecht zu Geschlecht überlieferten Bibelausgaben, Predigtbücher, Kirchengesangbücher, Heiligenleben, Kalender u.ä, gehört die Bibliothek der Gesellschaft zur Völkerkunde zu den interessantesten Denkmälern der schlesischen Kultur. Besonders interessant sind Bücher, die mit Eigentumszeichen der örtlichen Bauernfamilien versehen wurden. Ihre Zahl und die thematische und sprachliche Vielfalt zeugt von einem hohen kulturellen Niveau des Teschener Volkes sowie auch von der Aufgeschlossenheit auf das intellektuelle Kulturgut, das in unterschiedlichen National- und Religionskreisen ausgearbeitet wurde.
          Obwohl die Sammlungen der Polnischen Gesellschaft zur Völkerkunde in den 30er Jahren dem Stadtmuseum in Teschen in Verwahrung gegeben wurden, vergrößerte sich ununterbrochen die Bibliothek der Gesellschaft. Dazu trugen Schenkungen bei, die ständig eingingen. Allmählich vergrößerte sich die Büchersammlung der PGzV und heute umfaßt sie 10 000 Volumina (darunter 500 alte Drucke). Bemerkenswert sind zahlreiche Silesiaka und Werke, die Geschichte, Literatur, Erdkunde, Naturwissenschaften, Pädagogik betreffen (darunter eine imposante Sammlung alter Schulbücher), wie auch Populär- und Volksausgaben, die vor 1939 gedruckt wurden.
          Gleichzeitig mit der Büchersammlung wurden allerlei Manuskripte und Varia gesammelt, die heute einen eigenen Verband bilden, der insgesamt 9 000 Evidenzeinheiten verzeichnet; der Verband heißt Archivalien Polnischer Geselschaft für Völkerkunde. Er umfaßt Dokumente und Akten (Originale und Abschriften), literarische und wissenschaftliche Werke, die Korrespondenz, Ikonographie, Musiknoten, Flugschriften etc., die eine Dokumentierung aller Erscheinungen des politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens der Zeit zwischen dem 16. und 20. Jahrhundert bildet. Ein erheblicher Teil der Materialien ist sachlich und formell mit dem Teschener Schlesien verbunden.