BESTÄNDE DER TESCHENER BIBLIOTHEK - Die Büchersammlung von Józef Ignacy Kraszewski

          Äußerst interessant ist für Literaturliebhaber und -forscher die nächste, große Büchersammlung, die zur Teschener Bibliothek gehört. Es ist die Bibliothek von Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887), dem - neben Henryk Sienkiewicz - populärsten polnischen Autor der historischen Romane. 1908 wurde die Bibliothek von Franciszek Kraszewski, dem Sohn und Erbe des Schriftstellers dem Schulverein des Teschener Herzogtums übergeben. Nach der Überführung nach Schlesien wurde sie zuerst als eine Lehrerbibliothek in einem polnischen Gymnasium in Orlau benützt. Als sich Orlau im Jahre 1920 nach der Teilung des Teschener Schlesien auf dem tschechoslowakischen Boden befand, wurde die Sammlung nach Teschen transportiert und im Jahre 1925 zusammen mit der Sammlung der Volksleihbibliothek in einem Magazin untergebracht. Beide Büchersammlungen sollten die Grundlage einer wissenschaftlichen Bildungsstätte bilden, deren Gründung der Schulverein vorhatte.
          Die Büchersammlung bildete die Grundlage für die schriftstellerische Arbeit von Józef I. Kraszewski, deshalb sind dort auch sehr stark folgende Bücher vertreten: Werke aus der polnischen Geschichte und der Weltgeschichte (Quellentexte, Tagebücher, Bearbeitungen, Texte aus den Hilfswissenschaften), Gesellschaftsliteratur, Philosophie, Pädagogik, Belletristik und wissenschaftliche Periodika aus beinahe ganz Europa. In der Büchersammlung kommen auch bibliophile Vorlieben des Autors sehr stark zum Ausdruck. Dort befinden sich viele wertvolle polnische und europäische Drucke, die mit einer großen Kennerschaft erwählt wurden, wie z. B. Quaestiones liborum de anima Johannis Versoris von Johann aus Glogau (Metz, K. Hochfelder, die Auflage von J. Haller, 1501), Legenda Aurea von Jakob de Woragine (Venedig 1516) fünf Ausgaben der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri aus dem 16. Jahrhundert, die vollständige Teutsche Akademie der Bau-, Bild- und Mahlerei - Künste von Joachim Sandrart, die Chronikausgaben aus dem 17. Jahrhundert von Dithmar und Helmold; Lux e tenebris, herausgegeben 1664 - 1665 von Jan A. Komenski, wie auch zahlreiche Schriften der Arianer samt Bibliotheca Anti - trinitariorum von Krzysztof Sandiusz (Freistadt 1684), Catechesis Ecclesiarum (Raków 1609) und Schrifte von Stanis³aw Lubieniecki.
          Von großen Kontakten von Józef I. Kraszewski und von der Anerkennung, die er von seinen Zeitgenossen erfuhr, zeugen Drucke, die mit eigenhändigen Widmungen von Schriftstellern, Gelehrten, Übersetzern, Herausgebern und bedeutenden Persönlichkeiten aus dem politischen Leben versehen wurden. In der Büchersammlung des Schriftstellers gibt es insgesamt ca. 800 Widmungen. Unter ihnen kann man Bücher finden, die Józef I. Kraszewski u.a. von Maria Konopnicka, W³adyslaw Syrokomla, W³adys³aw Mickiewicz, Józef £epkowski, Adam Asnyk, General Henryk Dembiñski, Józef Korzeniowski, Samuel Orgelbrand, Stanis³aw Jachowicz, Kornal Ujejski, Teofil Lenartowicz, Stanis³aw Smó³ka, Alois Vojti ch © embera, Francisco de Mas y Otzet gewidmet wurden. Auch ältere Bücher weisen auf eine interessante Provenienz hin. Es gibt dort u.a. Bücher mit den Superexlibris von Hugon Ko³³±taj, dem Bischof Andrzej Próchnicki, Ignacy Karol Sternberg oder das Buch der Mineralogie von Ignacy Domeyko mit der eigenhändigen Widmung des Autors an Joachim Lelewel. Heute umfaßt die Józef I. Kraszewski Büchersammlung fast 1 000 alte Drucke und 14 500 Drucke aus dem 19. Jahrhundert.