BESTÄNDE DER TESCHENER BIBLIOTHEK - Die Büchersammlung der Volksleihbibliothek

          Der nächste wichtige und wertvolle Bibliotheksverband ist die Volksleihbibliothek der Kultur- und Bildungsgesellschaft, die seit ihrer Gründung im Jahre 1861 bis zur Hälfte der 80er Jahre das Zentrum des polnischen Nationallebens in Teschen bildete. Die Anfänge der Volksleihbibliothek sind jedoch älter und sie reichen auf das Jahr 1849 zurück, als im Rahmen, der ersten offiziellen polnischen Organisation in Teschen, der 1848 entstandenen Teschener Gesellschaft zur Vervollkommnung in der polnischen Sprache, die Polnische Bibliothek für das Volk des Teschener Landes gegründet wurde. Ihr Ziel war die Sammlung und die Popularisierung polnischer Literatur. Neben vielen Schenkungen wurden in die Bibliothek die Büchersammlungen eingegliedert, die früher zu den im evangelischen Gymnasium wirkenden jugendlichen Selbstbildungszirkeln gehörten. 1854 wurde die Polnische Bibliothek aufgelöst und ihre Sammlungen wurden in die Büchersammlung von Leopold Johann Scherschnik eingegliedert.
          1863 nahm die Volksleihbibliothek, als Nachfolgerin der Polnischen Bibliothek, die Sammlung zurück und bildete auf dieser Basis ihre eigene Bibliothek, welche damals über 800 Volumina zählte. Dank Schenkungen polnischer Schriftsteller, Herausgeber, Buchhändler und Bibliophilen (neben lokalen Aktivisten befanden sich unter den Stiftern u.a. Jan Milikowski, Julia Gocza³kowska, Klemens Mochnacki, Mieczys³aw Dzieduszycki, Józef Ignacy Kraszewski, der Priester Karol Teliga, die Erben von Ignacy Bagieñski, die Gesellschaft der sich ausbildenden Jugend in München), die Büchersammlung der Leihbibliothek nahm einen größeren Umfang an und als sie 1922 dem Schulverein des Teschener Herzogtums übergeben wurde, betrug sie schon ca. 12 000 Inventareinheiten. Heute verzeichnet sie 17 000 Volumina, darunter 2 000 alte Drucke (7 Inkunabeln).
          Obwohl die Leihbibliothek fast ausschließlich aus Schenkungen bestand, hat sie ein scharf umrissenes Profil. Es überwiegen dort Werke der polnischen schöngeistigen Literatur, Geschichte, Philosophie und Theologie. Umfangreich ist die Sammlung der Periodika, die u.a. polnische Exilzeitschriften aus dem 19. Jahrhundert enthalten. Die Tatsache, daß ein erheblicher Teil der Bücher aus vielen, oft meisterhaften Bibliophilsammlungen stammt, hatte zur Folge, daß sich in der Büchersammlung der Volksleihbibliothek viele seltene und wertvolle Werke finden lassen. Unter Polonika müssen erwähnt werden: Die Bibeln von Leopolita, aus Brest, Nie¶wierz und Danzig, der Erstdruck der Bibel von Jakub Wujek, die Ausgaben der Chroniken aus dem 16. und 17. Jahrhundert von Wincenty Kad³ubek, Jan D³ugosz, Maciej Miechowita, Marcin Kromer, Der Statut aus dem Jahr 1506 von Jan £aski, Reformowany Katechizm Królewiecki (Königsberg, J. Daubmann, zwischen 1554 und 1573), die vollständige Ausgabe von Nowe Ateny von Benedykt Chmielowski mit einer eigenhändigen Dedikation des Schriftstellers oder die Erstdrucke von Kordian und Beniowski aus der Exilzeit von Juliusz S³owacki, Iridion von Zygmunt Krasiñski und Ksiêgi narodu i pielgrzymstwa polskiego von Adam Mickiewicz. Von den ausländischen Ausgaben sind zu nennen: die vollständige Ausgabe der Großen Französischen Enzyklopädie, De rebus a Carolo Gustavo gestis von Samuel Pufendorf und die einzigen in Polen registrierten Exemplare von Quadragesimale de christiana religione von Bernard aus Siena (Lyon, J. Carcain, um 1490) und Epistola de morte Hieronymi von Eusebius aus Cremona (Köln, U. Zell, 1470). Was die Provenienz der Bücher betrifft, verdient die Büchersammlung der Volksleihbibliothek eine große Aufmerksamkeit. Dort befinden sich u.a. Bücher aus der Sammlung von: Andrzej Za³uski - dem Mitbegründer der ersten öffentlichen Bibliothek in Polen, Antoni Sielawa - dem Erzbischof von Po³ock, Jan Graf Têczyñski, von der Familie Czartoryski, Zamoyski, Tarnowski, von dem Jesuiten Kollegium in Vilnus, dem Nationalmuseum in Rapperswil oder É cole d´ Artillerie in Straßburg. Viele werke sind mit prächtigen Exlibris und Superexlibris versehen.